Hanns Dieter Hüsch
Der Grandseigneur des literarischen Kabaretts bekannte sich stets zu seiner Heimat am Niederrhein, in der er am 6. Mai 1925 in Moers zur Welt kam. Obwohl er lange Zeit in Mainz und Köln gelebt hat, ließ er stets verlauten: „Überall ist Niederrhein“ und „Alles, was ich bin, ist niederrheinisch“.
In unzähligen Bühnenprogrammen verarbeitete er die Erfahrung des kleinbürgerlichen und oft kleinkarierten Milieus liebevoll und ironisch in seinen besten Szenen, Kurzgeschichten und Ein-Mann-Sketchen. Als sensibler Menschenbeobachter begeisterte er sein Publikum fünf Jahrzehnte lang mit über 70 Programmen, besonders mit hintersinnigen Wortspielen. Dabei stand weniger die aktuelle Tagespolitik im Zentrum seiner kritischen Betrachtungen als vielmehr seine Erfahrungen mit den Menschen seiner Heimat und die Fähigkeit, über sich und über sie zu lachen. „Dass der Niederrheiner nix weiß, aber alles erklären kann, datt wissen se ja. Un oft genug weiß er nix Genaues un sacht dann einfach: so ähnlich jedenfalls", wusste er in seinem Programm „Sach ma nix“ zu erzählen.
In den 70er Jahren kreierte er die niederrheinische Kleinstadtfamilie seiner Alter-Ego-Figur Hagenbuch, Onkel Hein und Ditz Atrops. Atrops stand abends an der Theke und plauderte, zum Beispiel darüber, dass er in einer Wäscherei in Dinslaken dem lieben Gott begegnet sei.
„Die Welt” beschreibt Hagenbuch als eine Kunstfigur, die verschroben „in endlos langen, labyrinthisch verschachtelten Sätzen so lange auf seine Zuhörer einteufelt, so lange gedankenflüchtig von den profundesten philosophischen Fragen zu den banalsten Beobachtungen springt, bis er jeden sich auch nur schüchtern andeutenden Sinn seiner langen Rede zu vollendetem Unsinn kurz- und klein geschreddert hat".
Als einen „Moralisten reinster Prägung" bezeichnete der Kabarettist und langjährige Weggefährte Dieter Hildebrandt den Kollegen, dessen Kabarett „etwas ganz Eigenes" war.
Ulrich Krager über Hüsch nach dessen Tod am 6. Dezember 2005: „Selbst unter den Kabarettisten hatte er ja noch mal eine ureigene Stimme, die Links-sein-Wollen eben nie mit neuer Angepasstheit verwechselte. Gegen den Strom schwimmen hieß für ihn zuweilen eben auch, sich gegen alle Strömungen aufrecht zu halten. Es wirkte bei ihm so leicht ... Sein Platz war zwischen den Stühlen. Doch diese Position war ihm sicher, machte ihn offenbar wirklich nie unsicher."
Für Patrick Bahners war der „Himmelsorganist” ein „romantischer Universalpoet” (Nachruf in der „FAZ”).
Wie er heißt auch – seinem Wunsch gemäß – der niederrheinische Kabarettpreis Das Schwarze Schaf.







